Die Heizkurve ist die wirksamste Einstellung, die Sie an Ihrer Heizung selbst vornehmen können – und leider auch die am häufigsten falsch eingestellte. EnergieSchweiz und das Bundesamt für Energie beziffern die Einsparung durch eine richtig eingestellte Heizkurve auf 4 bis 6 Prozent.
Bei Wärmepumpen kann der Effekt deutlich grösser sein. In einer Feldmessung von 13 Schweizer Einfamilienhäusern im Auftrag von EnergieSchweiz liess sich die Jahresarbeitszahl allein durch Anpassungen am Regler teilweise um 10 bis 20 Prozent steigern. Bei einem Objekt stieg sie sogar von 2,7 auf 3,4, also um rund ein Viertel. Dort wirkten Heizkurve und Heizgrenze zusammen.
Dieser Artikel zeigt, was die Heizkurve ist, welche drei Stellgrössen es gibt, welche Richtwerte für Ihr Gebäude gelten und wie Sie in sechs Schritten vorgehen.
Was ist die Heizkurve?
Die Heizkurve – auch Heizkennlinie genannt – beschreibt, welche Vorlauftemperatur Ihr Heizkreis bei welcher Aussentemperatur liefert. Sie ist die Regel, nach der Ihre Wärmepumpe entscheidet, wie warm das Wasser sein muss, das in die Bodenheizung oder zu den Radiatoren fliesst.
Die Kurve gilt pro Heizkreis. Ein typisches Einfamilienhaus mit Wärmepumpe hat einen Heizkreis und damit eine Heizkurve. Wie warm einzelne Räume werden, regeln Sie nicht über die Heizkurve, sondern über die Thermostate.
Was das Diagramm zeigt
Sinkt die Aussentemperatur, steigt die Vorlauftemperatur. Der Grund ist einfache Physik: Bei 20 °C im Haus und 0 °C draussen beträgt die Temperaturdifferenz 20 Kelvin, bei 10 °C draussen nur 10 Kelvin. Das Haus verliert bei null Grad also rund doppelt so viel Wärme – und braucht entsprechend heisseres Heizwasser.
Heizkurve und Vorlauftemperatur – der Unterschied
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Die Vorlauftemperatur ist ein einzelner Messwert: die Temperatur des Wassers in diesem Moment. Die Heizkurve ist die Vorschrift, die diesen Wert für jede Aussentemperatur festlegt.
Wie stark die Kurve ansteigt
Die Steilheit – bei vielen Herstellern Neigung genannt – gibt an, um wie viel Grad die Vorlauftemperatur steigt, wenn die Aussentemperatur um ein Grad sinkt. Bei einer Steilheit von 1,5 sind das 1,5 °C mehr Vorlauf je Grad Aussentemperatur.
Je schlechter gedämmt das Gebäude und je kleiner die Heizflächen, desto steiler muss die Kurve sein. Ein gut gedämmtes Haus mit Bodenheizung kommt mit einer sehr flachen Kurve aus.
Richtwerte für die Neigung:
Wichtig: Diese Werte sind Reglerparameter, keine Naturkonstanten. Eine 1,2 bei einem Hersteller ist nicht dasselbe wie bei einem anderen, und viele Wärmepumpenregler arbeiten gar nicht mit dieser Skala, sondern mit Stützpunkten in Grad Celsius. Nehmen Sie die Tabelle als Orientierung, nicht als Vorgabe – und vergleichen Sie sie mit dem Handbuch Ihres Geräts.
Wie steil Ihre Kurve sein muss, hängt auch vom Standort ab: Die Auslegungstemperatur ist in der Norm SIA 384.201 festgelegt und liegt im Mittelland bei rund −8 °C, in höheren Lagen deutlich tiefer. Am selben Ort kann sie sich zudem um mehrere Grad unterscheiden, je nachdem wie träge das Gebäude reagiert.
Parallelverschiebung: die ganze Kurve anheben
Die Parallelverschiebung – am Regler oft Niveau genannt – hebt oder senkt die gesamte Kurve, also die Vorlauftemperatur bei jeder Aussentemperatur gleichmässig. Sie ist der richtige Hebel, wenn Ihnen das Haus über den ganzen Winter gleichmässig zu warm oder zu kalt ist.
Sie ist nicht der richtige Hebel, wenn es nur bei bestimmten Aussentemperaturen nicht passt. Dafür gibt es die Steilheit und die Heizgrenze.
Die Einstellung finden Sie je nach Gerät am Regler der Inneneinheit, an einem Raumbediengerät oder in der App des Herstellers.
Wichtig zur Wartezeit: Ändern Sie immer nur einen Parameter und nur in kleinen Schritten. Ein Gebäude reagiert träge. Warten Sie mindestens 48 Stunden, bevor Sie das Ergebnis beurteilen, und beobachten Sie die Wirkung über zwei Wochen. Wer in zu kurzen Abständen nachjustiert, überkorrigiert – und heizt am Ende mehr, nicht weniger.
Heizgrenze: der dritte, meist vergessene Regler
Die Heizgrenze ist die Aussentemperatur, ab der die Heizung überhaupt einschaltet. Liegt sie bei 15 °C, heizt die Anlage an einem 16-Grad-Tag nicht, auch dann nicht, wenn es im Haus kühl ist.
Genau hier liegt die Ursache der meisten Beschwerden in der Übergangszeit. Wer in dieser Situation die ganze Kurve anhebt, heizt den ganzen Winter zu warm. Richtig ist, die Heizgrenze anzupassen.
Richtwerte für die Heizgrenze bei 20 °C Raumtemperatur:
Verwandt damit ist die Mindestvorlauftemperatur, manchmal Sockeltemperatur genannt: der Wert, unter den die Kurve auch bei milder Witterung nicht fällt. Richtwerte: bei einer Bodenheizung 20 °C, bei Radiatoren 22 bis 23 °C.
Bodenheizung oder Radiatoren – was den Unterschied ausmacht
Welche Vorlauftemperatur Ihr Haus braucht, hängt vor allem an zwei Dingen: an der Grösse der Heizflächen und am Dämmstandard. EnergieSchweiz nennt dafür Richtwerte, jeweils bei −8 °C Aussentemperatur und bei +15 °C:
Für eine Wärmepumpe ist das die entscheidende Tabelle: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur erhöht die Effizienz. Wo Ihr Haus in dieser Tabelle steht, bestimmt deshalb massgeblich Ihren Stromverbrauch.
Liegt Ihre Anlage deutlich über dem Richtwert für Ihr Baujahr, lohnt sich vor jeder Heizkurvenkorrektur ein hydraulischer Abgleich – er sorgt dafür, dass alle Räume mit derselben, tieferen Vorlauftemperatur auskommen.
Heizkurve einstellen: in sechs Schritten
Die Grundeinstellung gehört in die Hände der Fachperson – sie erfolgt bei der Inbetriebnahme auf Basis von Heizlast und Verteilsystem. Die Feinjustierung über die erste Heizsaison können Sie selbst vornehmen:
- Ausgangswerte notieren. Steilheit beziehungsweise Neigung, Niveau und Heizgrenze aufschreiben, bevor Sie etwas ändern. Ohne diese Notiz finden Sie nicht zurück.
- Thermostatventile ganz öffnen. Solange die Ventile drosseln, messen Sie die Wirkung der Ventile, nicht die der Heizkurve.
- Raumtemperatur messen – im Rauminnern, auf rund 1,5 Metern Höhe, ohne Sonneneinstrahlung und ohne Zugluft. Zwei bis drei Tage messen, nicht einmal kurz.
- Einen einzigen Parameter ändern, und nur in kleinen Schritten. Bei digitalen Reglern zum Beispiel Kurve 1,0 statt 1,5 für flacher, 2,0 statt 1,5 für steiler.
- Mindestens 48 Stunden warten, dann erneut messen.
- Über zwei Wochen beobachten und die Änderungen mitschreiben. Erst über verschiedene Wetterlagen zeigt sich, ob die Kurve passt.
Der Aufwand ist überschaubar: Das BFE rechnet für die vollständige Optimierung mit etwa einem Arbeitstag. An Hilfsmitteln braucht es wenig – ein brauchbares Thermometer kostet 20 bis 30 Franken, ein USB-Datenlogger rund 100 Franken.
Zu warm oder zu kalt? Die Symptom-Tabelle
Entscheidend ist nicht nur, dass es nicht passt, sondern wann. Daran erkennen Sie, welchen Regler Sie anfassen müssen:
Das wirkt zunächst widersprüchlich: «Bei milder Witterung zu warm» wird durch eine steilere Kurve behoben. Der Grund ist, dass eine steilere Kurve im milden Bereich tiefer liegt und erst bei Kälte stärker ansteigt.
Wie stark eine Änderung wirkt – Faustregeln von EnergieSchweiz:
Wo Sie die Heizkurve bei Ihrer Anlage finden
Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller. Verbreitet sind:
- Neigung oder Steilheit für den Anstieg der Kurve
- Niveau, Parallelverschiebung oder Offset für die Höhenverschiebung
- Heizgrenze oder Sommer-Winter-Umschaltung für den Einschaltpunkt
Manche Regler arbeiten statt mit einem Neigungswert mit zwei Stützpunkten in Grad Celsius – etwa «Vorlauf bei −8 °C» und «Vorlauf bei +15 °C». Diese Darstellung ist für Wärmepumpen die gebräuchlichere und lässt sich direkt mit der Tabelle weiter oben abgleichen.
Der richtige Zeitpunkt – und wann Sie neu einstellen müssen
Die Grundeinstellung erfolgt bei der Inbetriebnahme. Lassen Sie Ihre Wärmepumpe von Heizungsmacher installieren, wird die Heizkurve dabei auf Ihr Gebäude und Ihr Verteilsystem ausgelegt.
Diese erste Einstellung ist eine begründete Annahme, kein Endergebnis. Es dauert in der Regel eine ganze Heizperiode, bis die Kurve wirklich passt – erst über verschiedene Wetterlagen hinweg zeigt sich, ob sie bei allen Aussentemperaturen stimmt.
Danach bleibt sie stabil, aber nicht für immer. Neu überprüft gehört die Heizkurve, wenn sich etwas am Gebäude oder an der Nutzung ändert:
- nach einer Sanierung der Gebäudehülle, neuen Fenstern oder zusätzlicher Dämmung
- nach dem Ersatz oder der Vergrösserung von Heizflächen
- nach einem hydraulischen Abgleich
- wenn Räume neu genutzt werden, etwa ein ausgebautes Dachgeschoss
- wenn sich Ihr Wärmebedarf ändert, etwa durch Auszug oder Zuzug
Ein Hinweis zum Betrieb: Viele Verteilnetzbetreiber können Wärmepumpen zu Spitzenlastzeiten kurzzeitig sperren. Dauer und Häufigkeit unterscheiden sich von Werk zu Werk. Nach einer solchen Sperre muss die Anlage Wärme nachliefern – eine zu knapp eingestellte Heizkurve fällt dann als Erstes auf.
Was eine richtig eingestellte Heizkurve bringt
- 4 bis 6 Prozent weniger Energieverbrauch – so beziffert es EnergieSchweiz für Heizsysteme allgemein
- Bis zu 10 bis 20 Prozent höhere Jahresarbeitszahl bei Wärmepumpen, wie die Schweizer Feldmessung in einzelnen Fällen zeigt
- Gleichmässige Raumtemperaturen ohne Nachregeln an den Thermostaten
- Weniger Taktung und damit weniger Verschleiss am Verdichter
- Tiefere Vorlauftemperaturen, was der Stromverbrauch Ihrer Wärmepumpe unmittelbar zeigt
Aktives Online-Monitoring
Eine Heizkurve, die einmal gut eingestellt war, bleibt es nicht automatisch. Wir bieten unseren Kundinnen und Kunden deshalb ein Aktives Online-Monitoring an: Wir überwachen die wichtigsten Betriebsparameter Ihrer Wärmepumpe laufend, prüfen die Heizkurve jährlich und passen sie bei Bedarf an.
Fazit Heizkurve richtig einstellen
Auch wenn es anfänglich etwas Zeit und Mühe kostet: Wenn Sie Ihre Heizkurve richtig einstellen, können Sie jedes Jahr Energiekosten sparen und gleichzeitig den Komfort in den Wohnräumen erhöhen. Mit dem Aktiv Online-Monitoring stellen Sie sicher, dass Experten die Parameter inkl. Heizkurve Ihrer Wärmepumpe überwachen und bei Bedarf anpassen.
















































